Konzept des Neubaus

Am 26. Juni 2016 soll es soweit sein. Nach mehr als zehn Jahren intensiver Planung wird dann die „neue“ Emporenorgel in St. Antonius, Düsseldorf-Oberkassel in Verbindung mit der 2012 geweihten Christus-­König­-Chor­orgel für den Mess­- und Konzertbe­sucher täglich zu erleben sein.

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Emporenorgel St. Antonius

Als ich 2001 in St. Antonius als Kirchenmusi­ker begann, gab es bereits Überlegun­gen zum Bau einer neuen Emporenor­gel mit ca. 50 Registern, die 2006 verworfen wurden und zu neuen Plänen führten, da nach eingehender Prüfung der Seifert­-Orgel von 1955 deutlich wurde, dass zwar die Spieltechnik völlig veraltet und zum Teil unspielbar war, aber ca. siebzig Prozent des Pfeifen­materials durchaus in restaurierbarem Zustand war. Eine ex­akte Restaurierung des Instrumentes ergab keinen Sinn, da die Seifert­-Or­gel von 1955 keine lupenreine histori­sche Orgel war, sondern schon damals historisches Pfeifenmaterial wieder­verwendete und darüber hinaus in den 1980er Jahren von der Firma Peter aus Köln umgebaut und einige Register ausgetauscht worden waren.
In der Kombination aus altem Pfeifen­material und neuen Registern sahen und sehen wir heute vielmehr die einmalige Gelegenheit, eine sympho­nische Emporenorgel zu bauen, die jedoch – und dies ist für eine roman­tische Orgel durchaus ungewöhnlich – auf Basis des neobarocken Materials dissonanzfähig sein kann und schließlich mittels ausgewählter Schlagwer­ke und einer computergesteuerten SINUA­-Technik zukunftsfähig sein soll. Eine symphonische Orgel, wie wir sie nun mit der Orgelbaufirma Mühlei­sen aus Leonberg bei Stuttgart realisieren, wird das Klangspektrum nicht nur we­sentlich erweitern, sondern auch eine völlig neue Erfahrung des Kirchen­raums ermöglichen, der 1911 zur Blüte­zeit der deutsch­romantischen Orgeln gebaut wurde. Bereits die neobarocke Seifert­-Orgel von 1955 hatte romantisches Potenzial, nicht zuletzt we­gen der erwähnten alten Registern (z. B. Lieblich Gedackt 8′ und Nachthorn 4′ im Schwellwerk), die in der material­- und geldknappen Nachkriegszeit auf selbstverständliche Weise in der Sei­fert­-Orgel Platz fanden. Es fehlten je­doch gänzlich die Gruppe der Streicher und ein tragendes Bass­-Fundament. Die Mixturen klangen zum Teil recht schrill und fügten sich ästhetisch nicht in den Gesamtklang ein – dies auch aus Mangel an Grundtönigkeit der übrigen Register.
Die oben genannten Maßnahmen un­terstützen die symphonische Ausrich­tung des vielschichtigen Instruments, wobei wir uns der Herausforderung stellen wollen, die reizvollen neoba­rocken Relikte des alten Materials zu erhalten, wie die Register Zink 4′ im Pedal, Septime 1 1/7′, None 8/9′ und Rankett 16′ im Schwellpositiv. Neue ideophone Register aus der Werkstatt von Gerhard Kern aus Kerpen (Marimba, Carillon, Vibraphon) und Winddrosseln sollen schließlich auch das Spiel moderner Orgelmusik unter­stützen.
Die geplante Orgelanlage ist letztend­lich dreiteilig geplant – bestehend aus der bereits geweihten Chororgel, der reorgani­sierten Emporenorgel und idealer­weise eines in der Romantik beliebten Fernwerks oberhalb der Kuppel. Da der Spieltisch mit allen Werken verbunden werden kann, wird der Besucher zu­ künftig nicht nur von hinten beschallt, sondern wird hören können, wie sich der Klang im Raum „bewegt“. Der Be­deutung des Raums soll diese Orgelan­lage Rechnung tragen und bestimmte architektonische Bereiche der Kirche akzentuieren: So steht die Chororgel in der Nähe des Seitenaltars und wird für Werktagsmessen und zur Beglei­tung des Chores genutzt; das Fernwerk oberhalb der Kuppel soll, symbolisch gesprochen, die Musik vom Himmel nach unten tragen und die Emporen­orgel nun das Gebet und den Gesang der Gläubigen tragen und befeuern und wird darüber hinaus als Konzertin­strument in Düsseldorf Alleinstellungs­merkmale aufweisen.

Markus Hinz
Kirchenmusiker an St. Antonius