Philipp Maintz: „ferner, und immer ferner“

Philipp Maintz: ferner, und immer ferner. Musik für Orgel solo. Bärenreiter BA 9367

Die Orgel ist so eng mit dem Raum verwoben, dass ihre Individualität vom Komponisten einkalkuliert werden muss. Um sich der Orgel angemessen zu nähern, ist es wünschenswert, dass der Komponist sich mit verschiedenen Orgeltypen beschäftigt und seine Erfahrungen mit den Instrumenten in die Komposition einarbeitet. Der Siemens-Preisträger Philipp Maintz schrieb seine Orgelkomposition „ferner, und immer ferner“ zunächst für die neoromantische Bornefeld-Orgel der Kasseler Martinskirche, die Uraufführung besorgte Eckhard Manz 2007.

Zwei Jahre später spielte Francesco Filidei eine Neufassung in Saint Eustache, Paris, die Registrierung der Neufassung stammt von Jean Guillou. Sie wird den meisten großen Orgeln in französischem Stil gerecht und bildet die Grundlage der jetzigen Notenausgabe. Schon ein erster Blick auf den Notentext zeigt eine exzellente, übersichtliche Partitur, die der komplexen Musik entgegenkommt. Technisch ist die Musik nicht einfach zu bewältigen. Die Unterteilung der siebzehn Minuten langen Musik in zwei Sätze erleichtert die Ausführung.

Die in großer Tiefe schattenhaft vorbeihuschenden Elemente des ersten Satzes werden mit sehr leisen, quasi aus der Ferne schimmernden Liegeklängen und fluktuierenden Trillern verbunden. Bruchstückhaft wechseln sich im Kanon jagende Läufe ab, bis die Musik gegen Ende ins gewaltige Fortissimo mündet.

Der von kreisenden Basstönen dominierte zweite Satz verbindet Ostinato und Rezitativ. Seinen Höhepunkt findet er in einem von Registerwechseln beherrschten Abschnitt. Maintz selbst schreibt darüber: „Diese Passage geht auf eine Improvisation zurück. Im Sommer 2007 hatte Jean Guillou… einen Meisterkurs abgehalten. …Nach Beendigung des Kurses hatte ich an einem Abend aufsteigende Akkordprogressionen improvisiert, und dabei – so schnell die Setzeranlage es zuließ – alle 640 vorprogrammierten Einstellungen, die nach dem Kurs noch gespeichert waren, nacheinander abgerufen… Der Effekt war, dass wie im Zeitraffer Dramaturgien fremder Stücke vorbei flogen.“

Dominik Susteck