Tüür: Spectrum III

Erkki-Sven Tüür (*1959): Spectrum III für Orgel (1999). Edition Peters 8995.

Das vorliegende Werk von 1999 ist ein typisches Musikstück eines nordischen Komponisten. In der Musik werden neuartige Elemente wie Polyrhythmik und Klangschichtungen mit Diatonik und Modalität kombiniert. Insofern entsteht eine ganz eigene Mischung, die sich zwischen Moderne und Tradition bewegt. Ziel ist nicht unbedingt ein kritisches Komponieren, sondern eine Versöhnung unterschiedlicher kompositorischer Elemente.

Zu Beginn baut sich über einem Ostinato im Doppelpedal ein spannender Klang auf. Die Musik gerät langsam in Bewegung. Rhythmische Akkorde setzen ein. Mit ihren Wiederholungen und überraschenden Taktwechseln erinnern sie an Elemente der minimal music. Nach einer Steigerung mit diatonischen und chromatischen Clustern erscheinen Spielfiguren, die sich ebenfalls verdichten. Der Schluss führt in einer ABA-Form zurück zu rhythmischen Akkorden. Trotz des vollgriffigen Satzes bleibt die Schwierigkeit der Musik wegen der körperlich nachvollziehbaren Rhythmik überschaubar.

Als prominenter Auftraggeber findet sich die damals noch auf zeitgenössische Orgelmusik konzentrierte Nürnberger Orgelwoche sowie die Siemens Stiftung. Das knapp zehnminütige Werk ist auf grade einmal dreizehn Spielseiten notiert. Tüür verzichtet auf jegliche Register- oder Werkangaben, so das die Darstellung auch auf einer kleineren Orgel möglich bleibt. Der Notensatz in der vorliegenden Ausgabe ist nicht professionell ausgearbeitet. Der Verlag behandelt die Komposition sehr stiefmütterlich.

Dominik Susteck